Stille-Nacht-Museum in Mariapfarr

Joseph Mohr und das Lied Stille Nacht, Heilige Nacht

Am Heiligen Abend des Jahres 1818 erklang in Oberndorf bei Salzburg zum ersten Mal das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“, gesungen von Franz Xaver Gruber, dem Komponisten, und Joseph Mohr, dem Textdichter, der mit der Gitarre begleitete. Mohr hatte Gruber einen Text gegeben und ihn gebeten, dazu eine Melodie zu komponieren.

Während dem Lehrer Gruber schon zu Lebzeiten entsprechende Anerkennung zuteil wurde, starb der Priester Joseph Mohr am 4. Dezember 1848 als Pfarrer von Wagrain im Pongau in völliger Armut, er hinterließ nicht einmal so viel, daß die Begräbniskosten gedeckt werden konnten, er hatte alles an die Armen verschenkt.

Was verbindet nun Mariapfarr mit Josef Mohr?

Im Jahre 1764 wurde in der Scharglerkeusche zu Stranach, Pfarrgemeinde Mariapfarr, der Vater des Stille-Nacht-Dichters als drittes von fünf Kindern geboren. Da die kleine Keusche wohl kaum den Lebensunterhalt für die Kinder bieten konnte und im Lungau die Verdienstmöglichkeiten schlecht waren, trat er als Soldat in den fürsterzbischöflichen Dienst in Salzburg. Dort lernte er die ledige Stickereiarbeiterin Anna Schoiber kennen.


Aus dieser kurzen Beziehung wurde am 11. Dezember 1792 ein Knabe geboren und am selben Tag im Dom zu Salzburg auf den Namen Josephus Franciscus getauft, den Familiennamen Mohr erhielt er nach seinem Vater. Mit der Geburt dieses Kindes sollte die Welt später ihr berühmtestes und sicher auch schönstes Weihnachtslied erhalten, das heute in vielen Sprachen gesungen wird.

Zu der großen Armut, in welcher der junge Joseph Mohr mit seinen Geschwistern bei der Mutter aufwuchs, kam der Makel der unehelichen Geburt, die damals als Schande galt und wofür die Mutter noch zusätzlich mit einer Strafe belegt wurde. Seinen Vater, der von den erzbischöflichen Truppen desertierte, nach den Aufzeichnungen später (bis 1814) aber wieder als Soldat im Dienste des Erzbischofs stand, hat Joseph Mohr wahrscheinlich nie kennengelernt. Ein glückliches Geschick führte ihn mit dem Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle zusammen, dem die schöne Stimme des Buben aufgefallen war. Er ermöglichte ihm eine gediegene Ausbildung, die ihm dieser durch besonderen Fleiß dankte.

1811 trat er ins Priesterseminar in Salzburg ein, das er mit bestem Erfolg beendete.

Am 21. August 1815 empfing er vom Passauer Weihbischof Karl Kajetan Graf von Gaisruck, dem  späteren Erzbischof und Kardinal von Mailand, die Priesterweihe (Anmerkung: Salzburg gehörte von 1810 bis 1816 zu Bayern).

Am darauffolgenden Tag wurde ihm vermutlich auf eigenen Wunsch Mariapfarr, die Heimatpfarre seines Vaters, in der damals auch noch sein Großvater lebte, als Seelsorgestelle zugeteilt. Zuvor aber war er noch zwei Monate als Aushilfe in der Ramsau bei Berchtesgaden. Im Jänner 1816 starb sein Großvater im Alter von 86 Jahren, es kann angenommen werden, daß dieser in den letzten Monaten seines Lebens manche Stunde mit seinem Enkel Joseph verbringen durfte und ihm dessen priesterlicher Beistand zuteil wurde. In Mariapfarr wirkte Mohr als Coadjutor (Kooperator) bis zum August 1817, als er aus gesundheitlichen Gründen in das mildere Klima des Flachgaues nach Oberndorf versetzt wurde.

Im Laufe seines 33jährigen Priesterlebens, das nach dem Zeugnis eines Vorgesetzten geprägt war von „Leutseligkeit, Friedensliebe und Popularität“, lernte Mohr 13 Seelsorgestellen in der Erzdiözese kennen. Am längsten wirkte er als Vikar in Hintersee (1828 bis 1837) und in Wagrain (1837 – 1848). Sein Ansuchen um Verleihung der Pfarre Mauterndorf im Lungau 1843 wurde vom Erzbischöflichen Konsistorium nicht beantwortet.

Am 4. Dezember 1848 starb Joseph Mohr an einer Lungenlähmung in Wagrain, deren Ursache einem winterlichen Versehgang in den Bergen zugeschrieben wurde. Den Ruhm als Textdichter des Liedes Stille Nacht konnte er nicht mehr erleben.

Bis vor 1995 war man der Ansicht, daß Text und Melodie des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ im selben Jahr (1818) geschrieben worden waren. 1995 wurde in Salzburg eine Stille-Nacht-Abschrift aus der Feder des Textdichters Joseph Mohr, geschrieben um 1820, aufgefunden. Der handschriftliche Vermerk: „Text von Joseph Mohr, Coadjutor 1816“ bedeutete, dass Mohr den Liedtext bereits 1816, also zwei Jahre vor der Uraufführung, in Mariapfarr geschrieben hatte.

Literaturhinweis: Salzburger Museumsblätter, Nr. 10, Dezember 1998, 59. Jahrgang

Der akademische Maler und Bildhauer Pfarrer Josef Mühlbacher, 1868 in St. Margarethen im Lungau geboren, hat Joseph Mohr im Kriegerdenkmal an der Ostseite der Pfarrkirche Mariapfarr 1924 ein Denkmal gesetzt, indem er ihn hinter Pfarrer Peter Grillinger mit der Gitarre abbildete.

Die Scharglerkeusche steht heute noch in der Ortschaft Stranach, Gemeinde Mariapfarr.

Stille Nacht, heilige Nacht-Museum in Mariapfarr

Das weltbekannte Lied Stille Nacht, Heilige Nacht

1818 wurde Stille Nacht, Heilige Nacht in Oberndorf erstmals gesungen. Seine Verbreitung fand es vorerst über Tirol, von wo es Zillertaler Gesangsgruppen nach Deutschland brachten. Besonders durch die Familien Strasser und Rainer war das Lied schon 1831 in Leipzig und 1839 sogar in New York bekannt geworden.

In den dreißiger Jahren des 19. Jhtd. wurde das Lied Stille Nacht, Heilige Nacht in Dresden und Leipzig auch gedruckt in Umlauf gebracht und fand dadurch eine große Verbreitung. Allerdings waren die oder der Urheber dort unbekannt. Erst 1854, nach einer Anfrage der Königlich-Preußischen Hofkapelle in Berlin an das Benediktinerstift St. Peter in Salzburg, kam die Urheberschaft zu Tage. Text von Joseph Mohr, Melodie von Franz Xaver Gruber.

Heute ist das Lied Stille Nacht, Heilige Nacht in der ganzen Welt bekannt und wird in mehr als 300 Sprachen gesungen.

Das Autograph vom Lied Stille Nacht, Heilige Nacht

Es war eine Mitarbeiterin des Salzburger Museums Karolinum Augusteum, die 1995 für eine kleine geschichtliche Sensation sorgte: Ein Autograf aus einem in ihrem Besitz befindlichen Nachlass konnte nach gründlichen wissenschaftlichen Untersuchungen eindeutig Joseph Mohr zugwiesen werden.

Doch mehr als nur das unvermutete Auftauchen einer Handschrift Mohrs sorgte das Datum darauf für Aufsehen, offenbarte es der Fachwelt doch das wahre Entstehungsdatum und auch den Entstehungsort des weltbekannten Weihnachtsliedes Stille Nacht, Heilige Nacht: Die auf dem Autograf angegebene Jahreszahl 1816 und die Anmerkung "Coadjutor" weist eindeutig auf die Entstehung in Mariapfarr hin, wo Joseph Mohr 1816 eben als solcher tätig war.

Der Unterschrift beigefügt ist der Vermerk "m.ia." = "manu propria" ("mit eigener Hand"), was die persönliche Urheberschaft Joseph Mohrs eindeutig beweist. Das Entstehungskapitel von Stille Nacht, Heilige Nacht mußte damit völlig neu geschrieben werden.

Stille-Nacht-Museum in Mariapfarr

Als im Jahre 1995 ein Autograf aus einem Nachlass gefunden wurde, das nach gründlichen wissenschaftlichen Untersuchungen einwandfrei nachweist, dass Joseph Mohr 1816 den Text zum weltbekannten Weihnachtslied Stille Nacht, Heilige Nacht in Mariapfarr geschrieben hat, war es selbstverständlich, dem Pfarr- und Wallfahrtsmuseum in Mariapfarr eine Dokumentation zu Joseph Mohr und seinem Lied Stille Nacht, Heilige Nacht anzuschließen.

Das Museum umfasst eine Dokumentation über Joseph Mohr, beginnend mit dem Stammbaum seiner Familie, der bereits seit dem 17. Jhdt. im Lungau nachweisbar ist, bis zu seinem Tode im Jahre 1848 in Wagrain. Nicht nur seine Abstammung aus dem Lungau und sein Aufenthalt als Koadjutor (Hilfspriester) von 1815 bis 1817 in Mariapfarr bezeugen seinen Lungaubezug. Sein erster Musiklehrer, seine Vorgesetzten in Mariapfarr und Oberndorf waren ebenso Lungauer wie der Gestalter des Denkmales in Oberndorf, der bekannte Künstlerpfarrer Mühlbacher.

Auch die Verbreitung des Liedes Stille Nacht, Heilige Nacht wird umfangreich dokumentiert.

Kontakt zum Stille-Nacht-Museum

Stille-Nacht-Museum Mariapfarr
Pfarrstrasse 19
A - 5571 Mariapfarr

Telefon: +43 6473 20068